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  • Das Gerätehaus



    Vom "Leiterhäusel" zum neuen Gerätehaus


    Der Entschluss der Saupsdorfer Einwohner, eine eigene Feuerwehr zu gründen, war angesichts der hohen Brandgefahr in den Ortschaften sicher eine richtige Entscheidung. Doch zu einer schlagkräftigen Truppe gehörte natürlich auch die entsprechende Ausrüstung, sowie die Möglichkeit der sicheren und gut zugänglichen Unterbringung. Aus dem Bestand der Pflichtfeuerwehr konnten einige Ausrüstungsgegenstände übernommen werden. Somit waren die Kameraden mit den nötigsten Gerätschaften für einen Brandeinsatz ausgestattet. Zu den vorhanden Anstellleitern bekamen sie vom Tischlermeister Ernst Pursche zwei einholmige Hakenleitern geschenkt, welche im "Leiternhäusel" am mittleren Dorfteich untergebracht wurden, einem langgestreckten, niedrigen, mit Schindeln gedeckten Schuppen. 1904 wurde den Männern um Hauptmann Groba in feierlichem Rahmen eine Handdruckspritze vom Bürgermeister übergeben. Als Unterstellmöglichkeit nutzte man das vorhandene Spritzenhaus der Pflichtfeuerwehr. Es befand sich am unteren Löschteich des Ortes und bot genug Platz für Spritze und Leiterwagen, die erste technische Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Saupsdorf. Viele Jahre nutzten die Feuerwehrmänner das Gebäude und selbst die Tore dienten oft als "Anschlagtafel" für wichtige Mitteilungen.



    Altes Spritzenhaus


    In den Jahren 1936/37 gab es erste Überlegungen zum Bau eines neuen Gerätehauses, da das alte Spritzenhaus immer mehr verfiel. 1938 schlug der damalige Bürgermeister E. Böhme einen Platz im Oberdorf vor, doch der herannahende Krieg zerschlug erst einmal alle Baupläne.
    Erst in den 50er Jahren griff man die Idee wieder auf und suchte nach einem geeigneten Standort. Wehrleiter W. Schöne bemühte sich ab 1954 zielgerichtet um die Realisierung der Pläne.
    So wurden durch Kameraden mögliche Grundstücke besehen, beurteilt, wieder verworfen. Nach einiger Suche einigte man sich.
    Das Gerätehaus sollte im Dorf, gegenüber dem bisherigen Spritzenhaus, entstehen. Die anliegenden Grundstücke sollten von den Besitzern möglichst kostenlos abgegeben werden. Das betraf die Anlieger Rudi Hippe, Otto Berger und Elsa Henke.
    Doch so leicht, wie es sich hier liest, war es leider nicht, denn die Klärung der Grundstücksfrage zog sich von Mai bis September hin.
    Anlieger Rudi Hippe, selbst Mitglied der Feuerwehr, war als erster und ohne Einschränkungen damit einverstanden. Ein Problem stellte die Forderung des Eigentümers Otto Berger dar, welcher als Gegenleistung für das Stückchen Land, eine Wohnung für die in seinem Haus wohnende Mieterin Klinger zum Tausch haben wollte. Die Klärung dieses Anliegens wurde vom Bürgermeister Mauder versprochen. Baumeister Hesse fertigte die notwendigen Zeichnungen und projektierte den Bau.
    Um die Zeit bis zum Baubeginn nicht nutzlos verstreichen zu lassen, begannen die Kameraden damit, die benötigten Mauersteine für den Bau selbst herzustellen. Dazu wurde eine spezielle Form angefertigt und Betonsteine gegossen.
    Inzwischen hatte der Monat August begonnen und der Bürgermeister gab noch immer kein grünes Licht zum Baubeginn. Also wurde von den Kameraden der Wehr ein Beschluss gefasst: Solange sich der Gemeinderat nicht für den anstehenden Wohnungstausch einsetzt, sollten bis auf weiteres keine Dienste mehr abgehalten werden ! Man wollte nur noch bei Notfällen oder Alarm ausrücken.
    Die "Streikandrohung" brachte zumindest den erhofften Erfolg, dass nun nach einer passenden Wohnung gesucht wurde.
    Am 16. September traf man sich dann endlich zu der ersehnten Besprechung mit dem Bürgermeister Mauder, dem Wehrleiter Schöne, den Gemeindevertretern sowie den Eigentümern Hippe, Berger und Henke. Die Herren Hippe und Berger waren weiterhin bereit , ihr Versprechen einzuhalten auch Frau Henke blieb dabei, forderte aber Ersatz für ihre Obstbäume, die ja nun gefällt werden mussten. Der Gemeinderat sicherte die Entschädigung zu und die Beschlüsse wurden im Protokoll festgehalten.
    Am 19. September 1954, drei Tage nach der Einigung, begannen die Kameraden sofort mit dem Abstecken des Geländes und noch vor Wintereinbruch konnte die Baugrube ausgehoben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren schon über 800 freiwillige Arbeitsstunden geleistet worden.
    Im zeitigen Frühjahr 1955 begannen die Arbeiten aufs Neue und schritten zügig voran. Wurden die Feuerwehrmänner anfangs etwas belächelt, bekamen sie trotzdem auch Unterstützung durch die Einwohner. Entweder wurde Bauholz und Baumaterial gespendet oder bei anfallenden Arbeiten geholfen. So konnte am 5. Juli 1955 das Richtfest in Henkes Gasthof gefeiert werden.
    Nach dem Abbruch des alten Spritzenhauses wurde noch gut erhaltenes Holz beim Neubau wiederverwendet und verwertbare Mauersteine nutzte man später für den Bau der Stützmauer hinter dem Gerätehaus.
    Im Sommer konnte der Bau endlich abgeschlossen werden und im September wurden die neuen Räumlichkeiten übergeben. Zu diesem Anlass besichtigten es viele Einwohner aus Saupsdorf, und auch interessierte Feuerwehrleute aus der Umgebung nutzten die Gelegenheit. Zum würdigen Abschluss lud der Bürgermeister K. Löser die Kameraden als Zeichen des Dankes und der Anerkennung zu einer Feier ein und überbrachte eine Prämie. Viele trugen zum Gelingen dieses Bauvorhabens bei. Dank der Initiative des Wehrleiters Schöne, sowie allen am Bau beteiligten Kameraden wurde ein schmuckes, neues Gerätehaus errichtet. Sie spendeten selbst über 600,- Mark und waren mehr als 4500 Stunden im freiwilligen Arbeitseinsatz.



    Gerätehaus 1955


    Doch in die allgemeine Freude nach dem erfolgreichen Abschluss des Bauvorhabens mischte sich auch schon wieder Ärger. So hatte der Wehrleiter einen Stromanschluss zur Betreibung einer Sirenenanlage beantragt. Nachdem von amtlicher Seite keine Reaktion erfolgte, entschlossen sich die Kameraden einen Brief an den stellvertretenden Ministerratsvorsitzenden W. Ulbricht zu schreiben. Dieser antwortete umgehend und in kurzer Zeit wurde der Anschluss genehmigt und die Sirenenanlage angebracht.
    Dank der soliden Bauarbeiten konnten sich die Feuerwehrmänner in den folgenden Jahren ihren anderen Aufgaben widmen. Erst in den 70ern wurde wieder Hand am Gerätehaus angelegt.
    1978 erfolgte die Renovierung des Schulungsraumes. Im Jahr 1986 ließ die Gemeindeverwaltung das Dach ausbessern und die Mitglieder der Wehr erneuerten den Außenanstrich. 1994 wurden die gesamten elektrischen Anschlüsse modernisiert und eine neue, elektronisch gesteuerte Sirenenanlage auf dem Dach des Gerätehauses installiert, Den Steigerturm erhöhten die Kameraden um 2,60 m, damit die Schläuche nach dem Einsatz vollständig zum Trocknen aufgehangen werden konnten.
    Nach vielen Jahren der Nutzung stellten sich nun doch einige Mängel ein, die abgestellt werden sollten. So gab es zum Beispiel nie einen Wasseranschluss für das Gerätehaus. Man muss sich einmal vorstellen, dass die Kameraden nach einem anstrengenden Einsatz nicht einmal die Möglichkeit hatten, sich die Hände zu waschen. Auch sanitäre Anlagen waren nicht vorhanden. Dieser Zustand musste sich ändern.
    Daraufhin wurde durch Wehrleiter H. Schäfer und den Architekten C. Hofmann ein Projekt erarbeitet und dem Gemeinderat vorgestellt. Während einer Besichtigung im Gerätehaus konnten sich die Ratsmitglieder von der Notwendigkeit der geplanten Umbaumaßnahmen überzeugen und sagten ihre Unterstützung zu. Da für die Erweiterung des Gerätehauses die Genehmigung des Anliegers notwendig war, gab der Grundstückseigentümer R. Hippe ohne Einschränkung sein Einverständnis. Nach den erforderlichen Beratungen zur Finanzierung wurde das Vorhaben zum Umbau des Gerätehauses in den Haushaltsplan aufgenommen. Jetzt konnte das Projekt im Regierungspräsidium Dresden eingereicht werden, um einen Antrag auf Fördermittel stellen zu können. Von der Idee bis zur Baugenehmigung vergingen zwei Jahre, in denen manchmal nicht abzusehen war, ob das Vorhaben realisiert werden kann. Schließlich wurde im August 2002 mit dem Umbau begonnen. Der Hauptanteil der Umbauarbeiten, wie der Rohbau, die Installations-, Fliesenleger- und Dachdeckerarbeiten, sowie die Elektroinstallation wurde durch Firmen ausgeführt. Doch auch die Kameraden hatten sich zu Eigenleistungen verpflichtet, um die Kosten des Umbaues für die Gemeinde so gering wie möglich zu halten. So wurden die Erdarbeiten für den Elektroanschluss und die Gasleitung übernommen. Des weiteren erfolgten der Innenausbau, die Malerarbeiten innen und außen, sowie der Bau einer Stützmauer und die Pflaster-arbeiten durch die Mitglieder der Wehr. Diese Eigenleistungen, welche die Saupsdorfer Feuerwehrmänner erbracht haben, stellen einen Wert von ca. 9000,- dar und wurden in 2000 Stunden freiwilligen Einsatzes geleistet.
    Die feierliche Übergabe des neuen Gerätehauses erfolgte im Rahmen des Festes zum 100 jährigen Bestehen der Saupsdorfer Wehr.




    neues Gerätehaus


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